Rolf Kurath

Blog

Gedanken zu Führung, Arbeitswelt und Gesellschaft

Gute Personal- und Vergütungspolitik

Aktuelle Herausforderungen und Positionen von Actares - Aktionärinnen und Aktionäre für nachhaltiges Wirtschaften

Wie jedes Jahr stecken die Sozialpartner aktuell mitten in den Lohnverhandlungen. Bei einer Forderung von 2,5 Prozent (Schweizerischer Gewerkschaftsbund) erwartet Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich für Juli 2027 einen durchschnittlichen Anstieg der Nominallöhne um 1,2 Prozent. Die Kaufkraft der Arbeitnehmenden dürfte damit insgesamt erhalten bleiben.

Für Actares sind die Lohnverhandlungen und andere Aspekte des Arbeitsverhältnisses nur dann ein Thema, wenn das Unternehmen geltendes Recht verletzt, nicht transparent berichtet oder ökonomisch unvernünftig handelt. Dies ist selten der Fall. In den letzten Jahren haben wir interveniert wegen des Verdachts einer Verletzung der Standards der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bei einer Tochtergesellschaft und wegen dem Einknicken vor den unverschämten Forderungen der Trump-Administration.

Ein anderes Bild zeigt sich bei den Vergütungen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung. Im Berichtsjahr 2025 hat nur ein SMI-Unternehmen unsere Erwartungen erfüllt (Swisscom). Bei den Geschäftsleitungen kommt es immer häufiger zu inakzeptablen Lohnexzessen, welche wir an den Generalversammlungen und im Dialog mit dem Verwaltungsrat ansprechen müssen, zum Beispiel: Wer die gemeinsame Leistung der ganzen Crew belohnen will, darf dem CEO nicht das 295-fache des Medianlohns vergüten! Die von Actares tolerierte Obergrenze von drei Millionen reicht völlig. Zudem müssen Vergütungsstruktur und Messkriterien die langfristige, risikoadjustierte Wertschöpfung belohnen, wie das unser neues Vorstandsmitglied Angelita Muff in ihrem Referat anlässlich der Mitgliederversammlung vom 30.9.2026 eindrücklich dargelegt hat.

Vergütungssysteme wie jenes der UBS, welche Führungskräfte dazu verleiten, mit einem Minimum an Eigenkapital ein Maximum an Gewinn zu erzielen und dadurch den eigenen Bonus zu optimieren, sind nicht nachhaltig. Im Fall Credit Suisse hat die Neue Zürcher Zeitung diese Praxis im Dezember 2021 als Sozialismus 2.0 bezeichnet – 16 Monate später war die Credit Suisse tot.