Rolf Kurath

Blog

Gedanken zu Führung, Arbeitswelt und Gesellschaft

33 Beiträge · Seite 2 von 4 · RSS-Feed

Wie der Wandel gelingen kann

Erneut liegt im Spätsommer ein neues Buch von Felix Frei vor. In „Aufbruch zu Autonomie“ ergänzt und schärft er seine in den letzten Jahren publizierten Erkenntnisse zur Zukunft der Erwerbsarbeit (bis hin zu direkt anwendbaren Hilfsmitteln) und wagt sich meines Wissens erstmals an grosse gesellschaftliche Fragen. Ausgehend von der These, dass die Digitalisierung schlichtweg alles verändere, werden die Treiber des Wandels und ihrer Folgen für Menschen, Organisation und Führung plausibel erklärt. Auch Tabubereiche wie die Systemlogik der Finanzwirtschaft und die Doktrin des grenzenlosen Wachstums werden schonungslos ausgeleuchtet.

Blockchain - obligatorischer Lernstoff

Bitcoin war für mich eine spekulative Kryptowährung, und Blockchain eine Blackbox. Dann sagte mein Sohn, er schreibe seine unisg Master-Arbeit über die Potenziale von Blockchain in der Energieversorgung. Und kürzlich habe ich an einer Weiterbildung gehört, wir Verwaltungsräte seien digital überhaupt nicht fit. Wir müssten Programmieren lernen (zum Beispiel mit der App grasshopper – geladen aber noch nicht genutzt), und „Blockchain Revolution“ von Don & Alex Tapscott lesen. Das habe ich gemacht und bin deshalb davon überzeugt, dass wir diese neue Technologie beobachten, von konkreten Anwendungen lernen und Einfluss nehmen müssen. Sonst werden wir wie beim Internet von den Geldmaschinen der Big Player vereinnahmt.

Wie man besser schreibt

Die Berichte meiner Regionalzeitung über ein Dossier, das ich sehr gut kenne, haben mich in den letzten Monaten häufig aufgeregt. Sachlich falsche Zuspitzungen, das Weglassen von Sachverhalts-Elementen oder die nicht angemessene Gewichtung von Einzelpersonen – für mich unverständlich, wie mein seit Jahrzehnten geschätztes Monopolmedium für Kommunales abdriftete. Glücklicherweise habe ich kürzlich von der Republik das How-to-do-it-Buch für den Journalismus im 21. Jahrhundert erhalten.

Widerstand als Entwicklungsmotor

In meiner Wohngemeinde blockieren aktuell drei Einzelpersonen einen eindeutigen demokratischen Entscheid (Gemeindefusion) mit aufwendigen juristischen Mitteln. Auf der Suche nach Erklärungen und Auswegen bin ich auf die Studie von Erik Nagel gestossen. Darin plädiert der HSLU-Professor für einen produktiven Umgang mit dem Widerstandsgeschehen. Mögliche Strategien für den Umgang mit den in einer destruktiven Dynamik gefangenen drei Beschwerdeführern habe ich nicht gefunden, dafür eine aus empirischen Daten abgeleitete Systematik der Erscheinungsformen von Widerstand und nützliche Prinzipien für die Gestaltung von (Führungs-)Beziehungen im Umgang mit Widerstand.

Frisches Wissen zu Digitalisierung und Organisationsentwicklung

Zu meinen Kernthemen gehören die Technologiefolge-Abschätzung und Organisationsentwicklung für (KMU)-Dienstleistungsunternehmen, konkreter die strategische Führung, die Organisierung von beweglichen Projektteams und Netzwerken sowie der Umgang mit den steigenden Erwartungen der Anspruchsgruppen. Im Kontext Digitalisierung und Plattform-Ökonomie interessieren mich zudem Lösungsansätze, wie wir die ganze Gesellschaft mitnehmen können und nicht nur die hochqualifizierte Elite. Weil ich nach meinen Inspirationsquellen gefragt wurde nachstehend das Material, das mir in den letzten Wochen am meisten gebracht hat.

Der Weg in die neue Arbeitswelt

Der Organisationspsychologe und Berater Felix Frei entwickelt in „Hierarchie – Das Ende eines Erfolgsrezepts“ plausible Vorstellungen, wie man von der alten in die neue Arbeitswelt kommen kann. Ausgehend vom Standpunkt, dass die Zukunft konsequent auf Eigenverantwortung setzen muss, ergänzt er die Studie von Frederic Laloux durch Hinweise auf die notwendigen persönlichen Voraussetzungen und die „Geburtshelfer“. Das im Frühsommer 2016 erschiene Buch überzeugt auch durch treffende Bilder. So prognostiziert Frei, dass die technologischen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Zwänge tektonische Verschiebungen auslösen werden, von denen wir derzeit erst ein mehr oder weniger leises Knirschen im Boden hören...

Digitalisierung braucht Kompetenzaufbau

In den letzten zwei Jahren beschäftige ich mich häufig mit der Übersetzung von Technologieentwicklung für die Arbeitswelt. Bei der Beschaffung von Wissen und Inspirationen für diesen faszinierenden Aufgabenbereich bin ich kürzlich auf Alec Ross gestossen. Seine breite, flott geschriebene Recherche „The Industries of the Future“ bietet eine durch persönliche Erfahrungen angereicherte Analyse der aktuell wichtigsten Innovationskräfte. Zu den grossen Herausforderungen gehöre die Notwendigkeit, sich ab der Volksschule lebenslang vertieft mit Informatik zu beschäftigen und auch technische Sprachen zu erlernen. Und diesbezüglich mehr Verantwortung für unsere Kinder zu übernehmen.

Grundeinkommen ja, aber anders

Die Debatte zur Abstimmung vom 5. Juni 2016 über die „Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ ist angelaufen. Angefeuert von düsteren Beschäftigungsprognosen wie z.B. jene des WEF 2016 scheint die Zustimmung der ICT-Prominenz zuzunehmen. Dies im Gegensatz zum Parlament, wo es deutlich weniger Zustimmung gab als bei andern sozialpolitischen Vorlagen. Angesichts der durch die Digitalisierung ausgelösten Umwälzungen im Arbeitsmarkt lohnt es sich, dieses Spannungsfeld etwas auszuleuchten.

Mit Geschichten Menschen gewinnen und überzeugen

Erneut habe ich die Ehre und Freude, mit einem Kollegen aus alten Zeiten zusammenarbeiten zu dürfen. Werner T. Fuchs ist seit unserer letzten Begegnung Ende der 90er Jahre zu einem grossen Geschichtenerzähler und Marketingexperten geworden. In seinen Büchern stellt er ein Instrumentarium bereit, das die Zeichensprachen des Unbewussten sichtbar macht und die Konzeption guter Geschichte erleichtert. Diese können an allen Kontaktpunkten eingesetzt werden, an denen jemand mit einem Kunden oder andern Adressaten in Berührung kommt.

„Im Fluss“ – Kritik des realen Change Management

Bücher von Kollegen zu lesen lohnt sich. Ich hätte viel persönliche Zeit und Energie einsparen können, wenn ich die Publikationen von Dr. phil. Felix Frei früher beachtet hätte. Felix, Gründungspartner von AOC, verarbeitet seine Erkenntnisse aus vielen Beraterjahren regelmässig in Publikationen. Sein jüngstes, 2015 in der 2. Auflage erschienenes Buch „Im Fluss – Unbehagen am Change Management“ beleuchtet in 11 Facetten sehr anschaulich, welches die Herausforderungen der Beschleunigungskräfte unserer Zeit für das betriebliche Change Management sind.